Faltgeometrie (k)eine Wissenschaft?

Der mit den Falten rechnet

(vgl. Die Zeit: Der mit den Falten rechnet, 06/2004)

Am MIT (Massachusetts Institute of Technology) arbeitet Eric Demaine. Er ist 24jährig und bereits Professor der Computerwissenschaften – ein Werdegang wie im Märchen (oder ganz im Sinn des «American Way» halt eben).

Im Magazin «Die Zeit» erschien im Juni 2004 der Artikel «Der mit den Falten rechnet» von Hubertus Breuer. Breuer stellt dabei Eric Demaine und seine Arbeit vor.

Seine Doktorarbeit behandelte das «fold and cut problem». Dieses lautet kurz gefasst: Lässt sich aus einem Papierbogen mittels Faltungen und einem einzigen Scherenschnitt jede erdenkliche geradlinige Form zaubern – Sternenketten, Häuser, Buchstaben oder stilisierte Flugzeuge? Demaines Antwort (mit Beweis): ja.

Die raffinierten Falttechniken haben durchaus einen praktischen Bezug. Neben den Origami-Fans und den Experten für algorithmische Geometrie, dazu zählt die Origami-Lehre, interessiert sich auch die Wirtschaft dafür:

Unternehmen packen mit Origami-Software Airbags gekonnt in die Lenkräder. «Eyeglass» heisst ein Projekt der NASA mit dem Ziel, eine Linse mit 100 Meter Durchmesser, die vor ein Teleskop gespannt werden soll. Aufgrund des knappen Stauraums der Transportraketen haben die Konstrukteure ein Faltmuster entworfen, das die Linse wie einen Taschenregenschirm zusammenlegt.

Experten prophezeien folgendem Origami-Vorhaben die grösste Zukunft: Mit Formeln aus der japanischen Faltkunst wollen Molekularbiologen Proteinstrukturen entschlüsseln. Proteine sind nichts anderes als sich komplex faltende Molekülstränge. Eines Tages soll das helfen, synthetische Eiweisse zu entwerfen.

Unter http://theory.lcs.mit.edu/~edemaine/foldcut/examples/ lassen sich Demaines Beispiele betrachten.